Lieber Mikis, wir erinnern uns, Ariel und ich, an unsere erstaunte Freude, anlässlich eines Konzerts in Paris, lang ist's her, als dein erster Enkel geboren wurde.

Du verbeugtest dich vor dem Publikum und hattest in den Augen das Licht der Liebe und der Freude. Du, ein Mann, der durch die Hölle gegangen ist, Haft, Folter, Vertreibung und Exil erlitten hast, hattest überlebt, um das natürlichste aller menschlichen Schicksale Wirklichkeit werden zu lassen: Du warst Großvater geworden.

Jetzt hast du deinen neunzig Geburtstag erreicht, und das Gefühl des bewundernden Erstaunens ist erneut da.

Alle deine Errungenschaften: die unzähligen Stunden unsterblicher Musik, die literarischen, theoretischen, autobiographischen, politischen Schriften, dein Engagement als Citoyen und deine unermüdlichen Aktivitäten, deine persönlichen Prüfungen und Sorgen. Wo hast du immer wieder die Kraft gefunden, wo findest du sie weiterhin, um all dies immer noch, ohne zu wanken, auf dich zu nehmen?

Kopfschüttelnd bewundern wir dich und können nur sagen: Vielen Dank, lieber Mikis, für deine Kreativität, die Fülle der Schönheit, die du unserm Leben hinzugefügt hast. Vielen Dank für deine Hingabe an die Pflicht, für das Beispiel, das du für uns alle gewesen bist und immer bleiben wirst.

Du darf uns nie verlassen, wir brauchen dich zu sehr – und Griechenland braucht dich am meisten. Dein geliebtes Land, für das du immer noch leidest, gerade jetzt wieder, wo es erneut  eine antike Tragödie durchlebt. Dein Volk, das aufrecht steht, stolz in seiner Verzweiflung die Faust hebt und sein trotziges OXI! jenen mächtigen Göttern entgegen schreit, die verrückt nach Geld sind, die ihre Wut hinausheulen und ihre erbarmungslose Rache stillen.

Griechenland und wir, deine Freunde, brauchen in unseren Ohren dein Brüllen eines alten Löwen. Wir brauchen deine weiße Mähne und deine blitzenden Augen vorn an der Spitze des Kampfes, verwundet, gewiss, aber immer noch vollkommener Bürger, der die gerechte Sache mit seiner angeborenen Tapferkeit und Integrität verteidigt. Wir lieben dich, Mikis Theodorakis, wir lieben und brauchen dich.

Glückwunsch zu Neunzigsten – und zu vielen weiteren Geburtstagen. Χρόνια πολλά.

Ariel, Guy, Claude, David, Suzette ... und alle Besucher dieser Homepage

 p.s. unsere Homepage hat mehr als 2.500 Seiten. Darauf sind wir stolz und freuen uns für dich auf eine Besucherzahl von 475.000 seit 1996

 

Photo: Independent Balkan News Agency

 

Die Stimme Griechenlands - Mikis Theodorakis wird 90

So lautet der Titel des dpa-Berichts, der bereits in mehreren Zeitungen erschienen ist, und der so oberflächlich und reich an Irrtümern und Halbwahrheiten ist, dass wir uns verpflichtet sehen, ihn zu korrigieren und so manches darin richtigzustellen.

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Einer der letzten weltweit bekannten Griechen, Mikis Theodorakis, wird 90 Jahre alt. Die „Stimme Griechenlands“ erreicht immer noch Millionen Menschen auf der ganzen Welt.

Musiker, Widerstandskämpfer, Komponist, Dirigent und Politiker: All das vereint Mikis Theodorakis, der am Mittwoch (29. Juli) 90 Jahre alt wird, in einer Person. Er gilt als die Stimme Griechenlands und als Komponist der heimlichen griechischen Nationalhymne( sic!): der Musik zum Film „Alexis Sorbas.“

Theodorakis hat das Dirigieren und Komponieren seit langem aufgegeben (n. b.: das stimmt nur halb: er dirigiert nicht mehr, komponiert aber noch, selbst wenn diese Kompositionen eher Neuinstrumentierungen oder Neufassungen als ganz neue Werke darstellen). Das Bild des 1,90 (1,96!) Meter großen Mannes, der mit ausgestreckten Armen („wie ein Adler“, schrieben Zeitungen) Orchester, Sänger und manchmal auch das Publikum „in den musikalischen Himmel“ erhob, sieht man nur noch im Fernsehen oder in alten Filmen.

„Mikis“, wie jeder in Griechenland ihn nennt, wirkt jedoch immer noch (geistig) jung und dynamisch (aber er kann nicht mehr gehen und wird im Rollstuhl gefahren), wenn er sich mit leuchtenden Augen und lauter Stimme zu politischen Themen äußert, die sein Land beschäftigen. Zwar hat er sich zunehmend in sein Haus unterhalb der Akropolis von Athen zurückgezogen. Doch jeder, der in Griechenland eine Rolle spielt, muss einmal mit Mikis gesprochen haben. Zuletzt war es Regierungschef Alexis Tsipras, der ihn nach seinem Wahlsieg im Januar besuchte. Theodorakis gab ihm mit den Worten «Ich stehe Dir bei» bildlich seinen Segen.

Zur Musik kam der 1925 auf der Ägäisinsel Chios geborene Theodorakis durch einen alten Film über Beethoven (der 1942 von den deutschen Besatzern in Griechenland gezeigt wurde). „Ich sah den Film zusammen mit meinem Vater. Ich war fasziniert“, erzählte er in einem Interview des griechischen Fernsehens. „Ich bat meinen Vater, der beruflich nach Athen fuhr, mir alles zu bringen, was er in der Hauptstadt über Musik finden konnte. So fing es an.“

Später studierte er Musik am Athener Konservatorium (wenn er gerade nicht gesucht und verfolgt wurde).

Während des Zweiten Weltkrieges wurde er Widerstandskämpfer. Bei Demonstrationen 1944-45 gegen die Engländer, die die Griechen um ihren Sieg beraubt hatten, wurde er so schwer verwundet, dass er für tot gehalten wurde: Sein rechtes Auge aber hatte 90 Prozent seiner Sehkraft verloren. Beim anschließenden Bürgerkrieg (19476-1949) schlug er sich auf die Seite der Linken (NEIN: er stand  selbstverständlich auf der Seite der Linken). Er wurde verhaftet, in die Verbannung auf die Insel Ikaria geschickt, danach auf die Schreckensinsel Makronissos, wo er furchtbar gefoltert (man brach ihm das rechte Bein) und zweimal lebendig begraben wurde.

1954 erhielt er die Erlaubnis, nach Paris zu fahren, um dort am konservatorium zu studieren, Sein Lehrer war Olivier Messsiaen.

Als Komponist wurde Theodorakis Anfang der 1960er Jahre in Griechenland berühmt durch „Epitafios“, „Axion Esti“, „Das Lied vom Toten Bruder“, sodann weltbekannt mit der Musik zu „Alexis Sorbas“, dem Film von Michael Cacoyannis mit Anthony Quinn in der Titelrolle.

Danach kämpfte er gegen die Obristenjunta in Griechenland (1967-1974). Er wurde festgenommen und gefoltert, in die Isolation des Bergdorfes Zatouna verbannt, ins KZ-Oropos überführt. Auf internationale Intervention hin, durfte er 1970 ins Pariser Exil, wo er bis 1974 lebte. Dort komponierte er „Axion Esti“, „Das Lied vom Toten Bruder“und den „Canto General“ auf das Gedichtepos von Pablo Neruda.

Nach der Wiederherstellung der Demokratie 1974 kehrte er in seine Heimat zurück und startete (NEIN: Es folgte, bedingt durch die Zustände in der neu entstehenden Demokratie) ein politisches Wechselspiel ohnegleichen. Theodorakis wurde Abgeordneter für die Kommunisten; als sie ihn enttäuschten, wurde er für die Konservativen (NEIN! als Unabhängiger!) ins Parlament gewählt. Zwei Jahre lang war er, nach den Skandalen von Andreas Papandreou und seiner PASOK (Sozialisten),  Minister ohne Amtsbereich der konservativen Partei, danach näherte er sich den Sozialisten an.(NEIN! Er gab die Parteipolitik auf.)

Doch als Opportunist hat ihn niemand bezeichnet. Denn Theodorakis ist, wie man in Athen sagt, „die Stimme der Volkes“, stets kämpft er gegen anmaßende Autorität und Unrecht. Nach Ausbruch der schweren Finanzkrise gründete er aus Protest gegen die harten Sparmaßnahmen eine Bewegung gegen die Unterwerfung Griechenlands (SPITHA = der Funken). Sie blieb ohne den erhofften politischen Widerhall. Theodorakis wird aber respektiert, egal, was er sagt und tut, meint die griechische Presse. Seine Musik klingt bei jeder Feierlichkeit, bei jeder politischen Massenveranstaltung und bei jeder auch noch so kleinen Feier der Griechen.

Herr Takis Tsafos, Ihr Beitrag muss als „ungenügend“  bewertet werden.

Übrigens, der gleiche Artikel wurde bereits 2005 verwendet und nur wenig angepasst:... Danke, Petra Klapproth für den Hinweis!

http://www.thassos-forum.de/viewtopic.php?t=4049