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Mikis Theodorakis gab bekannt, sich aus der aktiven Politik zurückzuziehen, und appelliert eindringlich, dem mörderischen Treiben der Neonazis in Griechenland Einhalt zu gebieten.

In einem offenen Brief teilte Mikis Theodorakis seinen Entschluss mit, sich nach 70 Jahren politischer Aktivität nun aus der aktiven Politik zurückzuziehen.

Unter das Emblem der Bewegung Unabhängiger Bürger (Spitha) setzte ich auf ihrer Webseite das Wort ‚ENDE‘. Natürlich ‚ENDE‘ nicht für die Spitha, sondern für meine vollständige Abdankung als kämpfender Bürger, nach Kämpfen von 70 Jahren, zumal meine Ansichten schließlich weder dem Volk bekannt noch von den nächstverwandten politischen Führungen akzeptiert wurden.

In seinem Schreiben kommentiert Mikis Theodorakis die Begegnung, die er nach dem zu Ehren der Sängerin Maria Farantouri veranstalteten Konzert mit den Führern der Linken, sprich den Herren Alexis Tsipras (SYRIZA), Fotis Kouvelis (DIMAR) und Dimitris Koutsoumpas (KKE) hatte. Weiter spricht er auch über den in der Nacht des 17 September 2013 von einem Mitglied der Chrysi Avgi verübten Mord an dem für seine antifaschistischen Aktivitäten bekannten Rapper Pavlos Fyssas.

Der Text des offenen Briefs wird nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben.

Die Wahlen und die Knüppel

Wir fanden uns bei dem Konzert anlässlich des 50-jährigen Wirkens der Maria Farantouri ein. Alte Genossen wie Koutsoumpas, Kouvelis, Tsipras und meine „Erhabenheit“ nebeneinander sitzend. „Wir sind hier vier Generationen Linker„, sagte ich zu ihnen. „Wir versuchten immer wieder, an die Tür der Macht zu klopfen. Wir schafften es nicht. Nun klopft der Jüngste an …“ „Na und ???„, fragte jemand aus dem Grüppchen, das sich um uns herum gebildet hatte. „Hör, mein Freund„, entgegnete ich ihm, „ihr alle mögt eine Menge Dinge (und zu Recht) über uns denken, die griechische Linke ist jedoch ein Fluss. Der selbe. Wir gelangten vor Felsblöcken an. Wir trennten uns an Gabelungen. Wie auch immer. Nun klopft der Jüngste an die Tür …“ „Und was sollen wir wählen?„, brachte es jemand auf den Punkt. „Tsipras„, meinte ich zu ihm, „was sonst?“ Koutsoumpas lächelte verlegen. „Und natürlich KKE … .“ Eine Dame schaute mich vorwurfsvoll an. „Die KKE ist unser Fels„, sagte ich ihr. Dies ist meine erschöpfende Antwort. Also sowohl Tsipras als auch KKE.

Leider sind dies Worte, die in der lockeren Atmosphäre der Pause eines Konzerts geäußert werden. Dahinter verbirgt sich jedoch die rohe Realität und meine persönliche Tragödie – die größer wird, je weniger das Öl in meinem Lämpchen wird. Und da die „Avgoula“ (Anmerkung: gemeint ist die Zeitung „Avgi“) mir die Ehre erwies, mich in Ergreifung der Gelegenheit zu nennen, um einen Wahlkampf-Slogan zu präsentieren, denke ich, dass sie mir die Gelegenheit geben muss, meine Gedanken in Zusammenhang mit den politischen Entwicklungen und der Rolle der Linken vollumfänglich darzulegen.

Bei unseren Begegnungen im Rahmen der EL.LA.D.A.-Front wurde unsere grundsätzliche Abweichung (zwischen den Ansichten der SYRIZA und meinen) festgestellt, die auch weiterhin existiert: also ob die radikale Änderung (der das Land bedarf) innerhalb oder außerhalb des Machtsystems möglich ist. „Das „innerhalb“ würde eine Beteiligung an den Wahlen mit dem Ziel der Eroberung der parlamentarischen Macht bedeuten. Das „außerhalb“, dass wir alle zusammen unser Gewicht auf die Bildung einer panhellenischen Widerstandsfront legen.

Es ist wahr, dass mein politisches Denken sich ab Anfang 2011 radikalisierte. Warum?

  • Erstens, weil ich den Anfang des Endes des Zweiparteiensystems feststellte, was die Befreiung der großen Mehrheit unseres Volkes von der direkten ideologisch-politischen und parteilichen Kontrolle der beiden historischen Repräsentanten der Auslandsabhängigkeit bedeutet.
  • Zweitens, die Enthüllung mit der Unterzeichnung des Memorandums der nicht nur gegen das Volk gerichteten, aber auch antinationalen Rolle der Führungsfaktoren, die in der ersten Phase die Anhänger der PASOK-Partei und in der nächsten der Nea Dimokratia (ND) unter direkter Kontrolle hielten. Wir sprechen von ungefähr 80% der griechischen Wähler.
  • Drittens, die Masken, die das wahre abstoßende Gesicht unserer sogenannten ausländischen „Beschützer“ verbargen, sind endgültig zerfetzt, so dass es heute auch nicht einen einzigen Griechen gibt, der nicht glaubt, ihr Ziel bestehe darin, uns zu verelenden und zu terrorisieren, damit jede Möglichkeit unseres Volkes gebrochen wird und es sich wie ein „Schlachtschaf“ ihren wirtschaftlichen und strategischen Interessen ergibt. Speziell jetzt, nach der Enthüllung unseres Ölreichtums, ist ihr Ziel, diesen zu kontrollieren und davon zu profitieren und unserem Volk einige Krümel zu überlassen, da seine endgültige Unterwerfung unter ihren Willen sichergestellt worden sein wird.

Diese Feststellungen führten mich zu der Schlussfolgerung, dass diese riesige Dimensionen aufweisende Befreiung unseres Volkes von den Zwängen und den Selbsttäuschungen des Zweiparteiensystems in Kombination mit der Enthüllung der Rolle der Mächte der Auslandsabhängigkeit und ihrer lokalen Verbündeten und Organe (institutionelle, politische, wirtschaftliche, staatliche Faktoren, die alle zusammen das Geflecht des Machtsystems bilden) für unser Land eine seltene Chance schafft!

Meine Enttäuschung führt mich dazu, mich als politisch tot zu betrachten

Was der „Schlüssel“ war? Das informierte Volk, das – wie die großen Demonstrationen von 2011 und 2012 zeigten – begann, seine Macht zu begreifen und seine Verantwortung für die notwendige radikale Änderung zu finden. Hauptsache ist, es bringt es fertig, sich rund um ein gemeinsames Ziel und eine einheitliche Führung des Widerstands zu vereinen. Diese war meiner Meinung nach die Stunde der Linken. Und deswegen begab ich mich, 86 Jahre alt, erneut auf Straßen und Plätze.

Wie in jedem ähnlichen Moment, wenn dem Volk historische Verantwortungen aufgebürdet werden und es auf eine gewisse Weise ein „unbeschriebenes Blatt“ ist, wartet eine Hand, einen Begriff darauf zu schreiben. 1821 war das Wort „Freiheit“. 1843 „Verfassung“. 1912 „Territoriale Vollendung“. 1940 „Widerstand“. 1973 „Demokratie“. 2012 (und auch noch heute) ist das Wort, auf das es wartet, „NATIONALE UNABHÄNGIGKEIT“.

Bei unseren Diskussionen mit Glezos, Tsipras, Dragasakis hatte ich die Gelegenheit, ihnen meine Ansichten darzulegen. Mir wurde kein Gehör geschenkt. So wie ich es auch mit der Spitha nicht schaffte, mit dem Volk zu kommunizieren um ihm zu beweisen, dass es eine machbare und unblutige Lösung außerhalb des Systems gibt. Und dass, wenn wir diese verpassen, dies bedeutet, dass 1821 keine Revolution stattgefunden hat. 1843 keine Verfassung gewonnen wurde. 1912 keine Balkankriege erfolgten, es 1940 mit dem NEIN keinen Nationalen Widerstand gab und 1973 mit dem Polytechnikum die Junta nicht fiel.

Eine solche welthistorische Bedeutung maß ich den heutigen Umständen zu. Ich glaubte leidenschaftlich, dass endlich die Eroberung unserer nationalen Unabhängigkeit möglich ist, und aus diesem Grund führt meine heutige Enttäuschung mich zu meinem dramatischen Entschluss, mich selbst als politisch „tot“ zu betrachten.

Zufällig ergab es sich, dass diese „Begegnung der Vier“ einen Tag später erfolgte, nachdem ich unter das Emblem der Bewegung Unabhängiger Bürger auf ihrer Webseite das Wort „ENDE“ setzte. Natürlich „ENDE“ nicht für die Spitha, sondern für meine gänzliche Abdankung als kämpfender Bürger, nach Kämpfen von 70 Jahren, zumal meine Ansichten letztendlich weder dem Volk bekannt noch von den nächstverwandten politischen Führungen akzeptiert wurden.

Diese Begegnung erfolgte ebenfalls am Folgetag der Veröffentlichung eines – wieder einmal – prophetischen Artikels von mir, in dem ich schrieb, dass die Chrysi Avgi zur Phase von Blut und Tod übergegangen ist, mit Hauptziel die Linke. Ich würde also von der „Avgi“ wünschen, diesen Appell, den ich gestern gegenüber meinen alten Weggenossen zum Ausdruck brachte, aufzuzeigen und nach Möglichkeit einige Auszüge dieses Artikels in Erinnerung zu rufen. Wenn sie nicht der Angriff einigt, soll sie die Verteidigung einigen.

Bereits am 17 September 2013 kam die Bestätigung meiner Warnung, wir hatten den ersten Toten! Die Gefahr für das Land ist sehr groß. Für uns Linke (innerhalb oder außerhalb eines jeden „Raums“) ist sie jedoch unmittelbar … . Nun beginne ich zu denken, dass unsere Begegnung in der Pause des Konzerts im Odeum möglicherweise auch nicht zufällig war! Und natürlich darf sie sich nicht auf einen Slogan beschränken … . Weil all das, was zwischen uns über den Angriff in Perama (Anmerkung: gemeint ist der in der vergangenen Woche erfolgte Angriff gegen Plakatkleber der KKE, die von Mitgliedern der Chrysi Avgi in offensichtlicher Tötungsabsicht zum Teil erheblich wurden) gesagt wurde, in uns die Albträume der Vergangenheit wecken kann und muss.

Die verantwortlichen Führungen müssen rechtzeitig mit absoluter Priorität Maßnahmen ergreifen, damit nicht wieder diejenigen ihre Köpfe erheben, die für die beiden großen Tragödien unseres Landes, den Bürgerkrieg und die Diktatur verantwortlich sind … .

 cf. http://www.griechenland-blog.gr/2013/09/griechenland-mikis-theodorakis-zieht-sich-aus-politik-zurueck/52523/